Wolle und mehr
ein Erfahrungsbericht
Eigentlich war mir ja nur langweilig, Lagertermine gab es
nicht und der Workshop war auch verschoben, naalbinding (nadelbinden) wollte
ich lernen.
Im Internet habe ich dann schließlich eine Anleitung gefunden, noch nicht
ahnend, was das nach sich ziehen würde…..
An Arbeitsmaterialien brauche ich zunächst mal eine Nadel.
Von einem Bekannten, der solche Nadeln aus Knochen herstellt, bekomme ich
eine geschenkt und Wollreste finden sich bei mir auch noch. Die Anleitung
(http://www.nadelbinden.de
) ist wirklich prima, es klappt auf Anhieb schon
gut, nur die Wolle ist ja nicht so ganz authentisch. Bei mir in der Nähe
gibt es zwei Schafbauernhöfe, die ich als nächstes ansteuere, nach Hause
komme ich mit einer großen, doch sehr intensiv nach Schaf riechenden Tüte,
voll mit Rohwolle [Abb.1]. Um das ganze Zeug erstmal zu reinigen, kommt es
in die Badewanne. Das Wollfett (Lanolin) möchte ich nicht heraus waschen,
deshalb nehme ich nur klares Wasser. Nach etlichen Waschgängen und ziemlich
fettigen Fingern ist die Wolle halbwegs sauber und [Abb.2] liegt nun zum
Trocknen auf einer dicken Schicht Handtüchern aus.
Nach dem Trocknen muss sie noch gekämmt [Abb.3] (kardiert)
werden, womit mache ich das nur, denn richtige Handkarden sind schon
ziemlich teuer? Ich entscheide mich für ganz einfache Plastikstriegel, ist
nicht optimal, geht aber.
Nach dem Kämmen beginne ich die Wolle mit der
Hand/Fallspindel [Abb.4] zu spinnen, das sieht so einfach aus, ist es auch,
wenn man es kann, aber bis dahin dauert es noch etwas. Die Spindel liegt
ständig auf dem Boden, weil der Faden reißt und eine gleichmäßige Stärke hat
er auch nicht (dafür ist mein Hund begeistert und versucht ständig die
Spindel oder die Wolle davon zutragen)…aber nach einigen Übungen gelingt es
doch. Nachdem ich etliche Meter gesponnen habe, beginnen meine ersten
nadelbinden-Experimente mit der selbst hergestellten Wolle. Ich versuche es
zunächst mal mit einem einfachen Faden und dann noch mal mit einem
gezwirnten [Abb.5] (besteht aus zwei einfachen Fäden, die noch mal mit der
Handspindel verbunden, verzwirnt, werden).
Für meine Zwecke reicht der einfache Faden, die
Produktion von nadelgebundenen Arbeiten kann beginnen. [Abb.6]
Meine Anerkennung gilt den Fertigkeiten unserer
Altvorderen, was für ein Aufwand nur um einen Faden zu bekommen, mal ganz
abgesehen von den fertigen Produkten ;-))
….und als nächstes kommt das Färben dran…
die Färbepflanzen sind schon bestellt…